Veneter - Wenden
Die Veneter
Die Venetische Theorie (vertreten unter anderem von Matej Bor, Jožko Šavli und Ivan Tomažič) geht davon aus, dass die Slowenen Nachfahren der Veneter seien. Dabei beziehen sich ihre Vertreter vor allem auf die Veneter Venetiens.
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Die Veneter Venetiens
Der römische Historiker Titus Livius berichtete von den Venetern, die Nachkommen der besiegten Trojaner gewesen seien. Nach dem Fall Trojas sollen sie an die nördliche Adriaküste ausgewandert sein. Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. waren sie Verbündete der Römer. Diese Überlieferung stützt sich auf Homer, der in der Ilias das Volk der Enetoi (lateinisch Eneti oder Heneti) erwähnt.
Die Erzählung des Livius wird jedoch weder durch archäologische noch durch sprachwissenschaftliche Forschungen bestätigt. Die Veneter sprachen keine kleinasiatische Sprache, sondern eine italisch-keltische Sprache. Nach der Ankunft der Römer wurden sie romanisiert.
Es ist jedoch zu erwähnen, dass in den historischen Quellen nicht nur die Veneter Venetiens vorkommen.
Die bretonischen Veneter
Während der Eroberung des heutigen Frankreichs traf Julius Caesar auf die bretonischen bzw. armorikanischen Veneter. Der Name Armorica bedeutete in der keltischen Sprache „Küstenland“. Ihre Hauptstadt war Vannes (heute Gwened). Sie sprachen eine keltische Sprache und wurden nach der römischen Eroberung romanisiert.
Die Vindeliker
Die Vindeliker lebten im Gebiet des heutigen Südbayerns und des südlichen Baden-Württembergs. Sie waren ein keltisches Volk.
Vindobona
Vindobona war der antike Name Wiens. Daraus entwickelte sich der heutige deutsche Name Wien. Der Name stammt aus dem Keltischen und bedeutet „weißer Grund“. Nach der römischen Eroberung wurde die Stadt romanisiert.
Die sarmatischen Veneter
Der römische Historiker Tacitus beschrieb Veneter, die an der Weichsel bzw. östlich von Germanien lebten. Über ihre Sprache oder Kultur machte er keine näheren Angaben. Daher vermuten manche Historiker, dass es sich um frühe Slawen gehandelt haben könnte.
Die Wenden
Die Germanen bezeichneten die Slawen als Wenden, Winden oder Winden/Wenden. Daraus entwickelte sich später das deutsche Wort Windisch. Im 20. Jahrhundert entstanden daraus auch die abwertende Bezeichnung Windischler sowie die sogenannte Windisch-Theorie. Die Bezeichnung Wenden erscheint bereits in germanischen Quellen, beispielsweise beim gotischen Historiker Jordanes im 6. Jahrhundert n. Chr. Lateinische Autoren verwendeten dagegen für die Slawen die Bezeichnung Sclavi.
Die Bedeutung des Namens „Veneter“
Einige Autoren vertreten die Auffassung, dass der Name Veneter auf die Slawen übertragen wurde, weil diese das ehemalige Siedlungsgebiet der Veneter besetzt hätten. Diese Theorie ist jedoch nur schwach belegt. Würde sie zutreffen, hätte der Name der Veneter nach demselben Prinzip auf die Friauler übergehen müssen, die im 6. Jahrhundert das ehemalige venetische Gebiet besiedelten. Dies geschah jedoch nicht.
Daher stellt sich die Frage, ob die römischen Bezeichnungen Venethi oder Venedi überhaupt mit der germanischen Bezeichnung Wenden gleichgesetzt werden können. Meiner Ansicht nach ist dies nicht der Fall. Das germanische Wort Wenden leitet sich vermutlich aus einem altgermanischen Begriff ab und bezeichnete Menschen, die „sich abwandten“, also Personen, die keine germanische Sprache sprachen und mit denen eine Verständigung nicht möglich war. Umgekehrt bezeichneten die Slawen die Germanen als Nemci bzw. Nemzi, was im Slawischen „stumme Menschen“ bedeutet. Daraus lässt sich schließen, dass beide Völker bei ihren ersten Begegnungen ähnliche Erfahrungen miteinander machten.
Literatur
- Michael Weiss, Introduction to Venetic.
- Jadranka Gvozdanović, On the Linguistical Classification of Venetic.
- Tina Saupe et al., Ancient Genomes Reveal Structural Shifts After the Arrival of Steppe-Related Ancestry in the Italian Peninsula, 2021.
- Pierpaolo Maisano Delser, Metka Ravnik-Glavač, Paolo Gasparini, Damjan Glavač, Massimo Mezzavilla, Genetic Landscape of Slovenians: Past Admixture and Natural Selection Pattern, 2018.
- Andrej Zupan, Genetska struktura Slovencev, kot jo razkrivajo polimorfizmi kromosoma Y in mitohondrijske DNA, 2014.