Rezepte aus der Steinzeit

Auf der Grundlage archäologischer Funde wissen wir relativ gut, welche Tiere unsere Vorfahren zur Nahrung gejagt haben. Wir wissen, dass sie nicht wählerisch waren und alle Tiere jagten, die verfügbar waren: Wild, Fische, Biber und andere Tiere.

Sehr beliebt war zum Beispiel die Jagd auf Hirsche. Diese wurden auch mit Hilfe von Fallen gejagt. Mithilfe von Treibern wurden die Hirsche in Karstschluchten oder gegen andere Hindernisse getrieben und auf diese Weise erlegt.

Aus dem Bereich des Sammelns wissen wir, dass die Menschen Getreide und Beeren sammelten. Über andere Pflanzen, die sie aßen oder nutzten, wissen wir jedoch relativ wenig. Noch weniger wissen wir über Kombinationen von Lebensmitteln beziehungsweise über konkrete Rezepte.

Lange Zeit galt die Vorstellung, dass die Menschen in der Steinzeit Fleisch einfach ohne Gewürze brieten. Eine ähnliche Annahme gab es auch für die Zubereitung von Getreide. Eine umfassendere Untersuchung in Europa hat jedoch gezeigt, dass die Menschen bereits in der Steinzeit Rezepte kannten, nach denen sie ihre Speisen zubereiteten. Mehr noch: Es gab sogar regionale Unterschiede, und die Menschen verwendeten je nach Region unterschiedliche Rezepte.

Zum Beispiel war die Kombination aus Süßwasserfischen und wilden Gräsern in der Nähe der heutigen Grenze zwischen der Ukraine und Russland beliebt. Weiter östlich, im zentralen Teil des heutigen Russlands, aßen die Menschen lieber Amarantpflanzen zusammen mit Fisch.

Auch dänische Jäger und Sammler mochten Amarant, bevorzugten jedoch die Blüten dieser Pflanze.

Beliebt waren auch die Beeren des Viburnums, die auch als Beeren der Gemeinen Schneeballpflanze bekannt sind. Diese wurden in mehreren Proben in Osteuropa gefunden. Noch interessanter ist jedoch, dass sie heute noch in Polen, der Ukraine und Russland gegessen werden. Der Geschmack scheint sich also über Jahrtausende hinweg kaum verändert zu haben.

Die Vorstellung, dass sich die Menschen in der Steinzeit hauptsächlich auf die Jagd verließen, ist falsch. Untersuchungen zeigen, dass sie die Pflanzen in ihrer Umgebung sehr gut kannten und vor allem jene nutzten, die ihnen schmeckten.

 

Steinzeit Rezept mit Fisch

Forelle in Tonkruste (Mitteleuropa, ca. 8000 v. Chr.)

Archäologen fanden Hinweise auf Fischgruben, Feuerstellen und Tonreste in Siedlungen nahe Flüssen.

Zutaten

ganzer Fisch (Forelle oder Saibling)

Wildkräuter (Dill, Sauerampfer, Brennnessel, Amaranth)

Lehm oder Ton

 

Zubereitung

Fisch ausnehmen und mit Kräutern füllen.

Komplett mit Ton umhüllen.

In heiße Glut legen.

30–40 Minuten garen.

 

Beim Aufbrechen der Tonhülle bleibt die Haut am Ton kleben – das Fleisch ist perfekt gegart.

 

Steinzeit Rezept mit Rentierfleisch am Feuer (Eiszeit Europa)

Knochenfunde zeigen, dass große Tiere über offenen Feuerstellen gebraten wurden.

Zutaten

Rentier- oder Wildfleisch

Wacholderbeeren

Wildkräuter (Dill, Sauerampfer, Brennnessel, Amaranth)

 

Zubereitung

Fleisch auf Holzspieße stecken.

Über offenem Feuer drehen.

Mit zerdrückten Wacholderbeeren und Wildkräuter würzen.

 

Rezept Haselnuss-Steinzeitbrei (Europa, ca. 7000 v. Chr.)

In vielen Fundstellen wurden verkohlte Haselnüsse und Mahlsteine entdeckt.

Zutaten

Haselnüsse

Wasser

Beeren (Himbeeren, Brombeeren)

 

Zubereitung

Haselnüsse zermahlen.

Mit Wasser zu einem Brei kochen.

Beeren dazugeben.

 

Sehr energierreiche Steinzeitnahrung.

 

Rezept Wildfleisch-Eintopf mit Wurzeln (Neolithikum)

Funde von Tongefäßen mit Fleisch- und Pflanzenresten zeigen frühe Eintöpfe.

Zutaten

Wildfleisch

Karotten- oder Pastinakenwurzeln

Zwiebelartige Wildpflanzen

Kräuter

 

Zubereitung

Fleisch und Wurzeln in Stücke schneiden.

Mit Wasser in einem Tontopf kochen.

1–2 Stunden über Feuer köcheln lassen.

 

Wahrscheinlich eines der ältesten europäischen Eintopfgerichte.

 

Rezept Steinzeit-Fladen aus Eicheln (ca. 6000 v. Chr.)

Archäologen fanden gemahlene Eicheln und Fladenreste auf heißen Steinen.

Zutaten

Eicheln (entbittert)

Wasser

zermahlene Samen (z. B. Wildgräser)

 

Zubereitung

Eicheln trocknen und mahlen.

Mit Wasser Teig herstellen.

Flache Fladen formen.

Auf heißem Stein backen.

 

Einer der frühesten Brotvorläufer Europas.

 

Rezept Hallstatt‑Ritschert (steinzeitliche Version)

Archäologisch belegt: Ritschert‑artige Eintöpfe mit Gerste, Emmer/Einkorn, Hülsenfrüchten u. evtl. Fleischreste wurden im Hallstattgebiet gefunden.

Zutaten

Gerste oder Emmer/Einkorn

Linsen oder Erbsen

Wildfleisch oder Speck

Wasser, Salz (0–1 TL)

Wildkräuter

 

Zubereitung
Getreide und Hülsenfrüchte einweichen, dann mit Fleisch und Wasser mehrere Stunden köcheln. Zum Schluss Kräuter zugeben.

 

Rezept Fleisch‑Knochenbrühe

Werkzeuge und Knochenfragmente deuten darauf hin, dass Knochen lange gekocht wurden, um Fett und Nährstoffe zu extrahieren.

Zubereitung
Knochen mit Wasser über Feuer mehrere Stunden kochen. Es entsteht nährstoffreiche Brühe.

 

Rezept Steinzeitbrei mit Viburnum opulus (Gewöhnlicher Schneeball)

Zutaten (für 2 Personen)

100 g reife Viburnum opulus-Beeren (nur reif, leuchtend rot)

50 g Haselnüsse oder Walnüsse (grob zerstoßen)

100 ml Wasser

Handvoll essbare Wildkräuter (z. B. Löwenzahn, Giersch)

 

Zubereitung

Beeren vorsichtig waschen und von Stielen entfernen.

Beeren mit Wasser in einem kleinen Topf 5–10 Minuten köcheln, bis sie weich sind. Das Kochen reduziert die Bitterstoffe.

Zerstoßene Nüsse unter den Beerenbrei mischen. Kräuter klein schneiden und ebenfalls unterheben.

Wer möchte, kann den Brei leicht zerdrücken oder stampfen, wie es Steinzeitmenschen wahrscheinlich mit einem Stein getan hätten.

Ein nahrhafter und wildbeerenreicher Steinzeitbrei.

Wichtig: Viburnum opulus niemals roh essen, da die Beeren leicht toxisch sein können.

 

Rezept Steinzeit-Eintopf mit Fleisch/Fisch und Viburnum opulus

Zutaten (für 2 Personen)

200–250 g Fleisch (Wild, Rind oder Hühnchen) oder Fisch (Forelle oder Saibling)

50 g reife Viburnum opulus-Beeren

1 kleine Wurzel oder Karotte

1 Handvoll Wildkräuter (z. B. Löwenzahn, Giersch, Brennnessel)

200 ml Wasser

Optional ein paar Nüsse oder Samen (für Fett/Energie)

 

Zubereitung

Fleisch in grobe Stücke schneiden oder Fisch ausnehmen und säubern.

Viburnum-Beeren waschen, Stiele entfernen. Kochen reduziert die Bitterstoffe.

Wasser in einem Topf oder über Feuer erhitzen. Fleisch oder Fisch und Karotte/Wurzel hinzufügen und leicht köcheln lassen (ca. 15–20 Minuten für Fleisch, 10 Minuten für Fisch).

Die Beeren 5–10 Minuten mitköcheln lassen, bis sie weich sind und den Eintopf aromatisieren.

Kurz vor Ende frische Wildkräuter hinzufügen, kurz mitziehen lassen.

Ein herzhaftes Steinzeitgericht mit leicht fruchtiger Note.

Wichtig: Viburnum opulus niemals roh essen, da die Beeren leicht toxisch sein können.

 

In der europäischen Steinzeit waren die häufigsten Lebensmittel:

Wildfleisch (Hirsch, Wildschwein, Rentier)

Fisch

Haselnüsse

Beeren

Wurzeln

Wildkräuter (Dill, Sauerampfer, Brennnessel, Amaranth)

 

 

Quelle

Lara González Carretero, Alexandre Lucquin, Harry K. Robson, T. Rowan McLaughlin, Ekaterina Dolbunova, Jasmine Lundy, Giulia Moretti, Blandine Courel, Manon Bondetti, Marian Berihuete-Azorín, Daniel Groß, Jacek Kabaciński, Piotr Kittel, Elena Kostyleva, Olga Lozovskaya, Andrey Mazurkevich, Bente Philippsen, Andrey Skorobogatov, Roman V. Smolyaninov, John Meadows, Carl Heron, Oliver E. Craig, Selective culinary uses of plant foods by Northern and Eastern European hunter-gatherer-fishers, Plos ONE, 04.03.2026.

Dimitrij Mlekuž Vrhovnik and Tomaž Fabec, Prehistoric hunting megastructures in the Adriatic hinterland, Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 14.10.2025.

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Xinying Zhou, Robert N. Spengler, Bahediyoh Sayfullaev, Khasanov Mutalibjon, Jian Ma, Junchi Liu, Hui Shen, Keliang Zhao, Guanhan Chen, Jian Wang, Thomas A. Stidham, Hai Xu, Guilin Zhang, Qingjiang Yang, Yemao Hou, Jiacheng Ma, Nasibillo Kambarov, Hongen Jiang, Farhod Maksudov, Steven Goldstein, Jianxin Wang, Dorian Q. Fuller, Xiaoqiang Li

9,000-year-old barley consumption from hill flank of Central Asia, PNAS, 25. 8. 2025.

Mehr darüber im Artikel DNA-Analyse.

Quelle

Issy Ronald, Ostrich eggs up to 7,500 years old found next to ancient fire pit in Israel, CNN, 13. 1. 2023